Irreführung der Dämonen. Acht Essays zu Gregor von Rezzori

Titel: Irreführung der Dämonen. Acht Essays zu Gregor von Rezzori
Autoren: Andrei Corbea-Hoisie, Jaques Lajarrige
Reihe: Essay & Diskurs I
Format: 14,8 x 20,5 cm
152 S.
ISBN: 978-3942994-08-8
Status: Lieferbar
Preis: 29,80 Euro

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Inhalt:

Das vorliegende Buch stellt den Versuch dar, sich auf betont essayistische Weise dem Werk Rezzoris aus mehreren, sich ergänzenden Perspektiven, die u.a. dazu beitragen sollen, die Isolation des Autors in der Rezeption überwinden zu helfen, anzunähern. Mittels differenzierter literaturhistorischer Überlegungen wird die Bedeutung des lange durch die deutschsprachige Literaturkritik vernachlässigten, größtenteils unterschätzten Autors in ein neues Licht gerückt.

Bisher kaum oder nie beachtete Aspekte des Werkes Rezzoris wie das Berliner Kriegstagebuch aus dem 1943, das sich als Manuskript im Privatarchiv des Autors in Donnini/Toskana befindet, oder die Novellen Der Schwan und Affenhauer oder die Fortsetzung der Liebe mit anderen Mitteln, die den Terrorismus im Italien der 70er Jahre thematisiert, werden um Lektüren erweitert, die durch Vergleiche mit anderen in der Bukowina verwurzelten (Appelfeld) oder von Rezzori geschätzten Autoren (Rilke, Musil, Nabokov) einen produktiven Rezeptionsvorgang aufdecken, der über literarische „Wahlverwandtschaften“ und intertextuelle Bezüge hinaus von der Originalität dieses außergewöhnlichen Virtuosen deutscher Zunge zeugen.

Die Autoren tragen zudem der versunkenen Welt am östlichen Rande der Habsburgermonarchie Rechnung, indem sie mit ihrem kulturhistorischen Blick den literarischen „Mythos Czernowitz-Tchernopol“ vor der Folie der politischen und nationalistischen Spannungen und Zersetzungsmechanismen betrachten, die seiner geistigen Ausstrahlung ein Ende setzten und bei Rezzori zu einem komplexen Wechselspiel zwischen nostalgisch gefärbter Mythosbildung und satirischer Entmythisierung führen. Gerade der Titel dieses Buches, der ein Zitat aus Greisengemurmel, einem der Spätwerke Rezzoris (erschienen 1994), übernimmt, spielt auf die „Dämonen“ des 20. Jahrhunderts an, deren groteske Maske der Autor heraufbeschwört, um ihr abscheuliches und furchtbares Wesen um so deutlicher zu offenbaren.

Über die Autoren:

Andrei Corbea-Hoisie: geb. 1951 in Jassy. Studium der Germanistik, Rumänistik und Geschichte an der Universität Jassy. Staatsexamen und Diplomprüfungen: 1974 und 1979, Dr. Phil. der Universität Bukarest: 1988; Habilitierung für Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten: 1997. Seit 1995 Professor für Deutsche Literatur in Jassy. Preise : Johann-Gottfried-Herder-Preis der Alfred Toepfer-Stiftung F.v.S. für das Jahr 1998; Jakob-und-Wilhelm-Grimm-Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für das Jahr 2000. Forschungsschwerpunkte : Geschichte und Kulturgeschichte der Juden im deutschen Sprachraum und in Osteuropa, Sozial- und Kulturgeschichte der Habsburger Monarchie und der Nachfolgestaaten, Rumänisch-deutsche Kulturbeziehungen, Deutsche Exilliteratur und Literatur der “inneren Emigration”, Rezeptionsästhetik und Kulturanthropologie. Publikationen zur Kulturgeschichte der Bukowina und Gregor von Rezzori (Ausw.): Czernowitzer Geschichten. Über eine städtische Kultur in Mittel(Ost)europa. Böhlau Verlag. Wien/Köln/Weimar 2003 ; La Bucovine. Éléments d’histoire politique et culturelle, Institut d’Études Slaves, Paris 2004 ; Politik, Presse und Literatur in Czernowitz 1890-1940. Kulturgeschichtliche und imagologische Studien, Stauffenburg Verlag, Tübingen 2013; Gregor von Rezzori. Auf der Suche nach einer grösseren Heimat. Hrsg. zusammen mit Cristina Spinei, Editura Universității/Hartung-Gorre Verlag, Iași/Konstanz 2013.

Jacques Lajarrige: geb. 1960 in Angers (Frankreich). Studium der Germanistik in Nantes, Paris und Lille. Promotion mit einer Arbeit über Hans Carl Artmann. Professor für deutsche Literatur, bis 2011 an der Universität de la Sorbonne Nouvelle in Paris, seither an der Université Toulouse II- Le Mirail, dort Leiter des Centre de Recherches et d’Études germaniques. Verantwortlicher Herausgeber der Zeitschrift „Austriaca“.  Forschungsschwerpunkte: Literatur und Kulturgeschichte Österreichs, deutschsprachige Literaturen des mitteleuropäischen Raumes. Zahlreiche Aufsätze u.a. zu Rose Ausländer, Oskar Pastior, Gregor von Rezzori. Publikationen zu Gregor von Rezzori (Ausw.): Gregor von Rezzori, (Études réunies par J. Lajarrige), AUSTRIACA, n° 54, Publications de l’Université de Rouen, 2002, 246 Seiten. Übersetzungen Rezzoris ins Französische: Gregor von Rezzori, Le cygne. Paris-Monaco, Éditions du Rocher, 2006. [Der Schwan] ; Gregor von Rezzori, Murmures d’un vieillard. Paris-Monaco, Éditions du Rocher, 2008. [Greisengemurmel] ; Gregor von Rezzori, Les morts à leur place. Journal d’un tournage. Paris, Le serpent à plumes, 2009. [Die Toten auf ihre Plätze]; Gregor von Rezzori, Une hermine à Tchernopol. Paris, Éditions de l’Olivier, (avec Catherine Mazellier-Lajarrige), 2011. [Ein Hermelin in Tschernopol].